| Veranstaltung: | Jahreshauptversammlung 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4.2. Sprecher*in (offen) |
| Antragsteller*in: | Marek Paul Kirschniok (info@gruene-dortmund.de) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 21.01.2026, 12:36 |
A12: Marek Paul Kirschniok
Selbstvorstellung
Liebe Freund*innen,
wir erleben gerade eine Zeit, in der Politik wieder roher, hemmungsloser und populistischer geworden ist. Die internationale Ordnung, wie wir sie lange kannten, wird gerade gezielt zerstört. Nationale Machtpolitik ersetzt Kooperation, geopolitische Konflikte wirken unmittelbar auf Wirtschaft, Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
So verkommt Klimapolitik zur geopolitischen Spaltwaffe, der Wokeness-Diskurs dient als rhetorischer Nebelwerfer gegen die Klassenfrage – und die Menschlichkeit? Sie wird vom unantastbaren Grundwert zum “weichen” Standortrisiko umgedeutet.
Populist*innen opfern den demokratischen Diskurs ihrem Drang zur Macht – an die Stelle von Inhalten rückt die Konstruktion von Feindbildern, bis nur noch Identitäten aufeinanderprallen, statt Argumente. Gleichzeitig untergräbt die technologische Aufrüstung durch KI unser demokratisches Fundament. Wo Algorithmen die Wahrnehmung steuern, wird der Raum für Informationen und echten Diskurs gezielt durch potenzierte Empörung und Fake News besetzt.
Das politische Verständnis von Männern wie Putin, Xi und Trump ist unmittelbar erlebbar geworden. Es kommt bei uns an. In unseren Städten, in Dortmund, in Gesprächen auf der Straße, in Vereinen, Initiativen und Betrieben. Angst, Krisen und Schuld bestimmen immer mehr den politischen Raum.
Dabei erleben viele Menschen Politik nicht mehr als gestaltende Kraft, sondern als einen selbstreferenziellen Zirkel, der nur noch um seine eigenen Logiken und Machtkämpfe kreist. So geht Vertrauen verloren – und wo Vertrauen fehlt, bieten einfache Erklärungen, Schuldzuweisungen und autoritäre Antworten Ankerpunkte.
Gerade deshalb ist Politik vor Ort heute so ungemein wichtig. Dortmund steht dafür exemplarisch. Der Kommunalwahlkampf und die politischen Debatten der letzten Zeit haben gezeigt, wie sehr sich auch hier der Ton verschoben hat. Fragen von Armut, Infrastruktur, sozialer Teilhabe und dem Klimawandel werden zunehmend nicht mehr als soziale und ökologische Herausforderungen verhandelt, sondern als Sicherheits-, Wirtschafts- oder Identitätsprobleme. Die Sichtbarkeit von Armut wird zum politischen Thema gemacht, nicht ihre Ursachen. Menschen werden zu Projektionsflächen erklärt und damit aus der politischen Verantwortung herausdefiniert.
Dabei ist längst höchstrichterlich geklärt, dass z.B. Klimaschutz eine Frage von Freiheit ist. Weil es ein begrenztes CO₂-Budget gibt, ist Aufschieben nichts anderes als ein vorweggenommener Freiheitsentzug für kommende Generationen. Wer heute nicht handelt, zwingt morgen zu drastischen Einschnitten. Untätigkeit ist keine Neutralität, sondern eine Entscheidung – gegen Freiheit, gegen Gerechtigkeit, gegen Zukunft.
Unser neuer Oberbürgermeister Kalouti steht im Zentrum dieser Entwicklung. Frei nach dem Merz’schen Prinzip – das Problem sei primär das “Stadtbild” – betreibt er in Dortmund eine Politik des Wegschaffens auf Kosten der Menschlichkeit. Es ist eine Politik der Verdrängung statt der Versorgung, die Suchtkranke und Obdachlose als Störfaktoren behandelt. Kalouti bedient damit eine klassizistische Logik, die Schein-Ordnung über Würde stellt und die strukturelle Vernachlässigung hinter einer Fassade aus Sicherheitsrhetorik und Law-and-Order-Symbolik verbirgt. Nicht aus sachlicher Notwendigkeit, sondern weil es der einzige Mechanismus ist, den eine rückwärtsgewandte Politik noch beherrscht, um Handlungsfähigkeit vorzutäuschen.
Diese Verschiebung ist brandgefährlich, denn sie ist die lokale Antwort auf eine globale Verschiebung. Sie verdeckt eine tief sitzende Abwertung marginalisierter Gruppen – von klassizistischen Vorurteilen bis hin zu rassistischen Stereotypen – hinter einer Fassade aus Sicherheitsversprechen, Sauberkeitswahn und vermeintlicher Bürgerlichkeit. Hier in Dortmund erleben wir im Kleinen, was global Schule macht: Während existenzielle Krisen wie Wohnungsnot, soziale Erosion und die Klimakrise als Überlebensfragen unserer Quartiere ignoriert werden, feiert sich eine Politik der Ignoranz und Härte als vermeintliche Lösung. Die Illusion, mit den Rezepten von gestern die Krisen von morgen lösen zu können, wird zur Steilvorlage für reaktionäre Kräfte – und treibt die Menschen direkt in die ideologischen Fallen der extremen Rechten. Wenn dabei ökologischer Umbau und soziale Gerechtigkeit als Gegenspieler inszeniert werden, stirbt die Zukunft unserer Stadt im Hinterhof einer reaktionären Symbolpolitik.
In dieser Situation braucht es starke, klare und verlässliche demokratische Akteure. Unser grüner Kreisverband ist dabei mehr als eine Organisationsstruktur. Er ist ein politisches Zentrum. Ein Ort der Debatte, der Einordnung, der Vernetzung und der Haltung. Gerade wir als Grüne stehen in der Verantwortung, nicht nur zu reagieren, sondern voranzukommen, mit Haltung, konkreten Lösungen und mit Zuversicht. Nicht auszuweichen, sondern zu benennen, was passiert. Und zugleich konkrete, soziale und ökologische Lösungen anzubieten.
Ein prägender Teil meiner politischen Arbeit waren die unzähligen Gespräche in der Stadtgesellschaft, die ich in den letzten Jahren – insbesondere in den von mir mitorganisierten Wahlkämpfen – führen konnte. Dabei wurde mir immer wieder deutlich: Die Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach einer konstruktiven Politik, die zuhört und Herausforderungen benennt und annimmt, statt sie zu instrumentalisieren. Diese Erfahrungen sind der Kern des Dortmund-Dialogs, den wir als Kreisverband seit Jahren konsequent verfolgen: Präsenz zeigen, belastbare Netzwerke knüpfen und Vertrauen aufbauen.
Ähnlich prägend war der gemeinsame Prozess zur Erarbeitung unseres Kommunalwahlprogramms. Er hat gezeigt, wozu wir als Partei fähig sind, wenn wir Wissen, Engagement und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Wir haben nicht nur populistische Kritik formuliert, sondern überzeugende, durchdachte Lösungen entwickelt und verhandelt. Darauf müssen wir aufbauen, gemeinsam mit starken Mandatsträger*innen und engagierten Parteimitgliedern.
Ich bewerbe mich erneut als Sprecher, weil ich fest daran glaube, dass genau diese gewonnene Stärke jetzt unser Fundament sein muss. Mich treibt die Leidenschaft an, Menschen zu verbinden – innerhalb unserer Partei und weit in die Stadtgesellschaft hinein. Mein Ziel ist es, nicht nur präsent, sondern ein Resonanzraum für unterschiedliche Stimmen zu sein, aus denen wir unsere gemeinsamen Ziele formen. Als Sprecher möchte ich für uns weiterhin genau das sein: derjenige, der die Vielzahl an Impulsen zusammenführt und euch den Rücken für euer Engagement freihält, damit wir gemeinsam mutige, laute und grüne Antworten geben.
Gleichzeitig verstehe ich das Sprecheramt nicht als rein moderierende Rolle. Es gehört für mich ebenso dazu, Position zu beziehen, Debatten anzustoßen und Reibung auszuhalten. Gerade in Zeiten, in denen rechte und autoritäre Akteure erfolgreich Themen setzen, dürfen wir nicht defensiv werden. Debatten dürfen hart sein, solange sie fair bleiben und uns gemeinsam weiterbringen.
Vor uns liegt eine doppelte Aufgabe: Wir müssen unsere Strukturen so weit ausbauen, dass unser Mitgliederwachstum nicht nur eine Statistik bleibt, sondern zu lebendiger Beteiligung wird. Gleichzeitig müssen wir als Grüne in Dortmund die politische Stimme sein, die den Ton angibt – vernetzt, dialogbereit, aber unnachgiebig in der Haltung. Es reicht nicht, die Schlagzeilen des OBs zu kommentieren. Wir müssen unsere eigenen Erzählungen setzen und beweisen, dass soziale Gerechtigkeit und ökologischer Umbau das gemeinsame Fundament bilden, auf dem Dortmunds Zukunft steht.
Diese Partei lebt nicht von Papieren, sondern von Menschen, die Verantwortung übernehmen, oft jenseits von Applaus und Aufmerksamkeit. Es sind eure Ideen, euer Engagement und eure Leidenschaft für ein faires Miteinander, für faktenbasierte Politik und unverhandelbare Menschlichkeit, die Menschen erreichen und eine positive Zukunftsvision aufzeigen.
Und Auseinandersetzungen führen wir am besten so, wie wir als Grüne am stärksten sind: sichtbar, streitbar und solidarisch.
Und ganz ehrlich: Auch wenn der politische Alltag manchmal ein ziemliches Jonglieren mit dem unvermeidlichen Wahnsinn ist – solange wir uns nach einer fünfstündigen Debatte über die Platzierung eines Satzzeiches in einem Antrag noch immer kollektiv in den Armen liegen, macht diese Arbeit mit euch schlicht verdammt viel Spaß.
Lasst uns keine Angst vor unbequemen Wahrheiten haben. Lasst uns die Kraft sein, die Orientierung gibt, statt sich treiben zu lassen. Ich freue mich auf den Weg mit euch. Klar in der Haltung, entschlossen im Anspruch und ohne den einfachen Weg zu wählen.
Hiermit kandidiere ich für eine weitere Amtszeit als Sprecher des KV-Vorstands und wäre euch für eure Stimme sehr dankbar.
Euer Marek
Über mich:
Ich bin 45 Jahre alt, in Zabrze (Polen) geboren und in Dortmund aufgewachsen. Nach meinem Studium der Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaften in Dortmund, Düsseldorf und Mainz habe ich mich als Unternehmensberater selbständig gemacht.
Seit vier Jahren darf ich unsere politische Arbeit im Vorstand der Dortmunder Grünen mitgestalten, die letzten zwei Jahre davon als Sprecher. Da Politik mittlerweile den Großteil meiner Freizeit füllt, widme ich den Rest leidenschaftlich sozialen Projekten, der Musik (hörend, nicht spielend), gelegentlichen sportlichen Ambitionen und einer stabilen Vorliebe für guten Kuchen.
Inhaltlich liegt mein Fokus auf einer progressiven Wirtschafts- und Finanzpolitik – ich bin überzeugt, dass wir die ökologische Transformation nur dann erfolgreich meistern, wenn wir alte Wachstums- und Sparnarrative aufbrechen. Wir brauchen Raum für eine wirtschaftliche Entwicklung, die nicht mehr nur an nackten Zahlen hängt, sondern an der Frage, wie wir Wohlstand und Gerechtigkeit innerhalb der planetaren Grenzen neu definieren.
Meldet euch gerne mit Fragen per Mail bei mir: mp.kirschniok@gruene-dortmund.de
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